Abstandsmessung

Wer im Straßenverkehr nicht den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug einhält, muss mit Bußgeld und Fahrverbot rechnen. Doch die Messverfahren bei Abstandsverstößen sind nicht immer korrekt. Ein Einspruch gegen den Bußgeldbescheid kann helfen.

Wie bemisst sich der Sicherheitsabstand?

Der Sicherheitsabstand ist in der Straßenverkehrsordnung (StVO) gesetzlich normiert und verfolgt das Ziel die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen.

Selbst wenn Sie ein aufmerksamer Autofahrer sind und immer alles im Blick haben, kann ihr Vordermann z. B. einen unaufmerksamen Moment haben. Um einen Auffahrunfall mit dem Vordermann zu vermeiden, ist es daher notwendig, einen ausreichenden Sicherheitsabstand einzuhalten, um durch die Reaktionszeit und den Bremsweg das eigene Fahrzeug rechtzeitig stoppen zu können.

Aus der Straßenverkehrsordnung ergeben sich daher folgende Richtwerte:

  • Innerorts: Innerorts gilt in der Regel eine Geschwindigkeit von 50 km/h. Bei dieser Geschwindigkeit müssen Sie eine Sekunde Abstand zum Vordermann halten. Dies wären 15 Meter Abstand oder drei Fahrzeuglängen.
  • Überlandsfahrten: Bei Überlandsfahrten sind die Geschwindigkeiten höher. Aus diesem Grund muss der Sicherheitsabstand auch länger sein. Man geht hier von einem Sicherheitsabstand von zwei Sekunden aus. Bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h wären dies mind. 50 Meter Abstand zum Vordermann.
  • Lastwagen über 3,5 Tonnen und Omnibusse: Für Lastwagen und Omnibusse gelten andere Richtwerte was den Sicherheitsabstand betrifft, da diese einen längeren Bremsweg haben als ein normaler PKW. Lastwagen und Omnibusse müssen bereits bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h einen Sicherheitsabstand von 50 Metern einhalten.

Was erwartet einen bei einem Sicherheitsabstandsverstoß?

Folgend erfahren Sie, mit welcher Bußgeldhöhe Sie bei einem Sicherheitsabstandsverstoß rechnen müssen, wie viele Punkte der Abstandsverstoß nach sich zieht und wann Sie mit einem Fahrverbot rechnen müssen.

Die nachfolgende Tabelle erläutert, mit welchen Sanktionen Sie zu rechnen haben.

Folgen eines Sicherheitsabstandsverstoßes:

VerstoßBußgeldPunkteFahrverbot
Weniger als 80 km/h25 EUR--
Weniger als 80 km/h und Gefährdung30 EUR--
Weniger als 80 km/h und Sachbeschädigung35 EUR--
Mehr als 80 km/h und einen Abstand weniger als 5/10 des halben Tachowertes
75 EUR1-
Mehr als 80 km/h und einen Abstand weniger als 4/10 des halben Tachowertes
100 EUR1-
Mehr als 80 km/h und einen Abstand weniger als 3/10 des halben Tachowertes
160 EUR1-
Mehr als 80 km/h und einen Abstand weniger als 2/10 des halben Tachowertes
240 EUR1-
Mehr als 80 km/h und einen Abstand weniger als 1/10 des halben Tachowertes
320 EUR1-
Mehr als 100 km/h und Abstand weniger als 5/10 des halben Tachowertes
75 EUR1-
Mehr als 100 km/h und Abstand weniger als 4/40 des halben Tachowertes
100 EUR1-
Mehr als 100 km/h und Abstand weniger als 3/10 des halben Tachowertes
160 EUR21 Monat
Mehr als 100 km/h und Abstand weniger als 2/10 des halben Tachowertes
240 EUR22 Monate
Mehr als 100 km/h und Abstand weniger als 1/10 des halben Tachowertes
320 EUR23 Monate
Mehr als 130 km/h und Abstand weniger als 5/10 des halben Tachowertes
100 EUR1-
Mehr als 130 km/h und Abstand weniger als 4/10 des halben Tachowertes
180 EUR1-
Mehr als 130 km/h und Abstand weniger als 3/10 des halben Tachowertes
240 EUR21 Monate
Mehr als 130 km/h und Abstand weniger als 2/10 des halben Tachowertes
320 EUR22 Monate
Mehr als 130 km/h und Abstand weniger als 1/10 des halben Tachowertes
400 EUR23 Monate

Wie wird der Sicherheitsabstand gemessen?

Der Sicherheitsabstand kann durch mehrere Möglichkeiten gemessen werden. Einmal durch eine installierte Videokamera, einem Lasergerät oder durch einen Polizeibeamten.

  • Videokamera

    Bei der Sicherheitsabstandsmessung durch eine Videokamera spricht man auch von dem Brückenabstandsmessverfahren. Die überwachte Fahrspur wird hierbei von einer Brücke mit zwei Videokameras aufgezeichnet. Die zwei Videokameras haben hierbei unterschiedliche Funktionen. Die erste Kamera filmt den Nahbereich (30–120 Meter vor dem Aufstellort). Die andere Kamera ist für den Fernbereich zuständig (80–350 Meter vor dem Aufstellort). Die zweite Kamera dient der Kontrollfunktion, denn sie soll sicherstellen, dass der anvisierte Fahrer nicht zu einem dichten Auffahren gezwungen wurde.

    Die Abstandsmessung erfolgt somit mit der ersten Kamera. Sie misst die Zeit, die das Fahrzeug benötigt, um eine Strecke zurückzulegen. Dann wird die Zeitdifferenz gemessen, die das nachfolgende Fahrzeug benötigt um die Strecke zurückzulegen. Diese Geschwindigkeiten werden mit einander verglichen und so der Abstand zwischen den beiden Fahrzeugen bestimmt.

  • Lasergerät
    Eine weitere Möglichkeit der Abstandsmessung ist das Lasergerät. Durch einen Lichtstrahl misst das Lasergerät den Abstand zwischen zwei Fahrzeugen.
  • Polizeibeamter
    Auch ein Polizeibeamter kann einen Abstandsverstoß messen. Diese Messmethode hat jedoch kaum Messgenauigkeit. Ein Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid, der sich auf einen Polizeibeamten als Messmethode stützt, hat somit große Aussicht auf Erfolg.

Mögliche Fehler und Angriffspunkte bei der Abstandsmessung

Alle Messmethoden weisen ein mögliches Fehlerpotenzial und auch Angriffspunkte auf. Aus diesem Grund ist immer ratsam seinen Abstandsverstoß von einem Anwalt überprüfen zu lassen, denn dieser kann auf die Fehlerquellen eingehen und so den Bußgeldbescheid entweder ganz aus der Welt schaffen oder diesen zumindest abschwächen.

  • Fehlerquellen beim Messverfahren mit der Videokamera
    Sachverständige betrachten das Messverfahren mit Videokameras kritisch. Die Videokameras zeichnen nämlich keine Abstandsveränderungen auf, die durch das Abbremsen des Vordermannes entstehen können. Aufgrund der Ungenauigkeit dieser Messmethode muss daher eine weitere Toleranzgrenze von mind. drei Metern in Ansatz gebracht werden.
  • Messgeräte müssen geeicht sein
    Eine Abstandsmessung kann auch angegriffen werden, wenn das eingesetzte Messgerät nicht geeicht wurde. Messgeräte müssen einer regelmäßigen Wartung unterliegen, um die Genauigkeit des Messverfahrens sicherzustellen. Bei einem Bußgeldbescheid wegen eines Abstandsverstoßes kann es daher ratsam sein, Akteneinsicht in die Bußgeldakte zu beantragen. In dieser sind nämlich die Eichbescheinigungen der Geräte enthalten.
  • Die Videoaufzeichnung:
    Sollte sich der Sicherheitsabstandsverstoß auf eine Videoaufzeichnung stützen, ist es ebenfalls ratsam diese Videoaufzeichnung durch einen Anwalt anzufordern. So können mögliche Entlastungsbeweise gefunden werden, wie z. B. die Verkürzung des Sicherheitsabstandes durch das Fahrverhalten des Vordermannes.
  • Schulungszertifikat:
    Nicht jeder Polizeibeamte kann ein Messgerät bedienen. Es bedarf einer Schulung. Der betreffende Polizist enthält dann ein Schulungszertifikat. Häufig werden jedoch auch Polizisten eingesetzt, die ohne eine entsprechende Schulung Messverfahren vornehmen. Auch das Schulungszertifikat kann durch einen Anwalt angefordert werden. Sollte dieses fehlen, hat ein Einspruch gegen den Bußgeldbescheid große Aussicht auf Erfolg.

Hat ein Einspruch Aussicht auf Erfolg?

Ob ein Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid bei einem Sicherheitsabstandsverstoß Aussicht auf Erfolg hat, ist von vielen Faktoren abhängig:

  • Wie schnell waren Sie unterwegs: Je geringer die Geschwindigkeit bei einem Abstandsverstoß desto größer ist die Chance, dass ein Einspruch den Bußgeldbescheid vollständig aus der Welt schafft oder diesen abmildert.
  • Der Abstand: Auch der eingehaltene Abstand hat einen Einfluss auf die Erfolgschancen des Bußgeldbescheides. Das Bußgeld soll ja gerade den »Verkehrssünder« sanktionieren und ihm deutlich machen, dass sein Fahrverhalten eine erhebliche Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Je größer der Abstand zum vorausfahrenden Auto, desto besser stehen die Erfolgschancen für einen Einspruch.
  • Punkte in Flensburg: Auch die Punkte in Flensburg können Auswirkungen haben. Jemand der bereits eine Vielzahl von Punkten gesammelt hat, erweckt den Anschein eines »Dauerverkehrssünders«. Ein einmaliger Verkehrssünder hat somit größere Chancen erfolgreich gegen den Bußgeldbescheid vorzugehen.
  • Auf den Führerschein angewiesen: Viele Menschen sind berufsbedingt auf den Führerschein angewiesen. Dieser Umstand kann für einen Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid genutzt werden, in dem ein Fahrverbot droht. Der Bußgeldbescheid kann zwar nicht aus der Welt geschafft werden, jedoch das Bußgeld erhöht und so ein Fahrverbot vermieden werden.

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