Probezeit

Die hohe Unfallbeteiligung von Menschen zwischen 18 und 25 Jahren führte zur Einführung der Probezeit. An die abgeschlossene Fahrprüfung schließen sich somit zwei Jahre an, in denen der Fahrzeugführer auf Probe fahren darf. Erst nach Ablauf dieser Probezeit haben Sie eine Fahrerlaubnis ohne zeitliche Begrenzung.

Dauer der Probezeit

Die Probezeit dauert in der Regel zwei Jahre. Dies ergibt sich aus § 2a StVG. In dieser Zeit wird das Fahrverhalten des Fahranfängers auf die Probe gestellt. Die Probezeit gilt hierbei für alle Fahranfänger folgender Führerscheinklassen:

  • A (Motorrad)
  • B (PKW)
  • C (Lkw)
  • D (Bus)

Die Probezeit beginnt mit dem Tag, an dem Sie Ihren Führerschein erhalten haben. Hierbei ist es egal ob Sie tatsächlich fahren. Eine Verkürzung der Probezeit ist nicht möglich, jedoch kann die Probezeit durch bestimmte Verstöße im Straßenverkehr verlängert werden.

Hinweis

Der Führerschein mit 17 führt nicht zu einer längeren Probezeit. Auch hier beläuft sich diese auf zwei Jahre nach Erhalt des Führerscheins.

Regelverstöße in der Probezeit und die Sanktionen

Fahranfänger unterliegen in der Probezeit strengeren Regeln als erfahrene Verkehrsteilnehmer. Die Regelverstöße werden in zwei Kategorien unterteilt. So gibt es einmal den A-Verstoß, dieser stellt einen sehr schwerwiegenden Verstoß dar sowie den B-Verstoß der einen schwerwiegenden Verstoß darstellt. Welches Verhalten einem A- oder B-Verstoß zugeordnet wird, können Sie der nachfolgenden Auflistung entnehmen:

A-Verstöße

VerstoßBußgeldPunkteFahrverbot
Missachtung des Rechtsfahrgebotes80 EUR1
Geschwindigkeitsüberschreitung um 21 km/h der erlaubten Höchstgeschwindigkeit70 EUR (außerorts)
80 EUR (innerorts)
1
Abstandsverstoß weniger als 5/10 des halben TachowertesMind. 75 EUR1
Überholverstoß70 EUR1
Missachtung der Vorfahrt100 EUR1
Abbiegevergehen70 EUR1
Fehlende Rücksichtnahme auf der Autobahn75 EUR1
Alkohol am Steuer250 EUR1
Vergehen am Bahnübergang (überfahren trotz geschlossener Bahnschranke)700 EUR23 Monate
Verstöße an Fußgängerüberwegen80 EUR1

Weitere A-Verstöße, die zudem Delikte des Strafgesetzbuchs verwirklichen, sind z. B.

  • Nötigung: Wenn Sie einen zu geringen Sicherheitsabstand einhalten, kann dies auch eine Nötigung darstellen, da sich der vorfahrende Fahrer gezwungen fühlt seine Geschwindigkeit anzupassen.
  • Fahrlässige Tötung: Von einer Fahrlässigkeit im Straßenverkehr ist z. B. die Rede, wenn Sie unter Alkoholeinfluss Auto fahren. Kommt es dann zu einem Unfall, bei dem ein Mensch ums Leben kommt, können Sie wegen einer fahrlässigen Tötung belangt werden.
  • Fahrerflucht: Auch das Verlassen eines Unfallortes ohne eine Meldung zu hinterlassen, stellt einen schwerwiegenden Verstoß im Straßenverkehr dar.
  • Unterlassene Hilfeleistung: Ist Ihr Verhalten für den Unfall ursächlich gewesen, müssen Sie der verletzten Person Hilfe leisten. Tun Sie dies nicht, machen Sie sich strafbar.

Hinweis:

Die oben genannten Delikte sind Delikte des Strafgesetzbuches. Eine Verwirklichung dieser Delikte führt somit nicht nur zur verkehrsrechtliche Konsequenzen, sondern kann im Zweifel auch ein Strafverfahren nach sich ziehen. Aufgrund der Schwere der Tat führen A-Verstöße im Bereich des Straßenverkehrsrechts häufig zum Entzug der Fahrerlaubnis gem. § 3 StVG.

Da gerade A-Verstöße sowohl strafrechtliche als auch verkehrsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, sollten Sie ihren Bußgeldbescheid sobald der Vorwurf eines A-Verstoßes im Raum steht von unseren Partneranwälten überprüfen lassen.

Die B-Verstöße

VerstoßBußgeldPunkteFahrverbot
Überziehung der TÜV-Untersuchung um mehr als acht Monate60 EUR1-
Nicht vorschriftsmäßige Mitnahme von Kindern im Auto60 EUR
70 EUR (2 Kinder)
1-
Abstandsverstoß weniger als 5/10 des halben TachowertesMind. 75 EUR1-
Missachtung der Vorschriften zur Ladungssicherung60 EUR
70 EUR (bei Gefährdung)
1-
Abgefahrene Reifen
60 EUR1-
Parken auf der Autobahn
70 EUR1-
Behinderung von Feuerwehr, Notarzt oder Polizei65 EUR1-
Falsche Absicherung eines liegen gebliebenen Fahrzeuges30 EUR
60 EUR (bei Gefährdung)
1-

Hinweis:

Dies sind lediglich die wichtigsten A- und B-Verstöße. Eine ausführliche Auskunft bietet die Anlage 12 der Fahrerlaubnis-Verordnung.

Geblitzt in der Probezeit

Auch eine Geschwindigkeitsüberschreitung hat Auswirkungen in der Probezeit. Die magische Grenze bei Geschwindigkeitsverstößen liegt bei 20 km/h. Sofern diese nicht überschritten wird, haben Sie nur mit einem geringen Verwarngeld zu rechnen.
Folgende Sanktionen erwarten Sie bei einem Geschwindigkeitsverstoß.

Geschwindigkeit außerorts

VerstoßBußgeldPunkteFahrverbot
bis 10 km/h10 EUR--
11–15 km/h20 EUR
--
16–20 km/h30 EUR--
21–25 km/h70 EUR1-
26–30 km/h80 EUR11 Monat
31–40 km/h120 EUR11 Monat
41–50 km/h160 EUR21 Monat
51–60 km/h240 EUR21 Monate
61–70 km/h440 EUR22 Monate
Über 70 km/h600 EUR23 Monate

Geschwindigkeit innerorts

VerstoßBußgeldPunkteFahrverbot
bis 10 km/h15 EUR--
11–15 km/h25 EUR
--
16–20 km/h35 EUR--
21–25 km/h80 EUR1-
26–30 km/h100 EUR11 Monat
31–40 km/h160 EUR21 Monat
41–50 km/h200 EUR21 Monat
51–60 km/h280 EUR22 Monate
61–70 km/h480 EUR23 Monate
Über 70 km/h680 EUR23 Monate

Hinweis:

Sobald ein Geschwindigkeitsverstoß von über 21 km/h vorliegt, handelt es sich um einen A-Verstoß.

Auswirkung der Regelverstöße auf die Probezeit

Die Regelverstöße ziehen jedoch nicht nur ein Bußgeld oder ein Punkt in Flensburg nach sich. Vielmehr haben sie auch eine Auswirkung auf die Dauer der Probezeit.

Mit folgenden Folgen im Hinblick auf Ihre Probezeit haben Sie bei einem Regelverstoß zu rechnen:

VerstoßAuswirkung
A-Verstoß in der ProbezeitProbezeit verlängert sich um zwei Jahre. Zudem wird ein Aufbauseminar gem. § 2b StVG angeordnet.
A-Verstoß während der verlängerten ProbezeitVerwarnung und eine Empfehlung zur Teilnahme an einer verkehrspsychologischen Beratung
Zweiter A-Verstoß in der verlängerten ProbezeitDie Fahrerlaubnis wird entzogen.
B-Verstoß in der ProbezeitKeine Auswirkung auf die Probezeit.
Zweiter B-Verstoß Probezeit verlängert sich um zwei Jahre. Zusätzlich müssen Sie ein Aufbauseminar gem. § 2b StVG besuchen.
B-Verstoß und anschließend ein A-VerstoßProbezeit verlängert sich um zwei Jahre. Zusätzlich müssen Sie ein Aufbauseminar gem. § 2b StVG besuchen.
In der verlängerten Probezeit zwei B-VerstößeVerwarnung und eine Empfehlung zur Teilnahme an einer verkehrspsychologischen Beratung.
Bei noch zwei weiteren B-VerstößenDie Fahrerlaubnis wird entzogen.

Einspruch gegen den Bußgeldbescheid in der Probezeit

Mehrere Verstöße in der Probezeit führen zu einer Anordnung eines Aufbauseminars oder im schlimmsten Fall zu einem Entzug der Fahrerlaubnis. Zusätzlich verlängert sich die Probezeit um weitere zwei Jahre. Aus diesem Grund ist es auch in der Probezeit ratsam, einen Einspruch gegen den Bußgeldbescheid einzulegen, um so die Entziehung der Fahrerlaubnis oder den Besuch eines Aufbauseminars zu verhindern.

Unsere Partneranwälte sind mit der Prüfung von Bußgeldbescheiden bestens vertraut und erzielen so für Sie das bestmögliche Ergebnis im Bußgeldverfahren.

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